Seit ein paar Tagen geht die Initiative “Unser sauberes Braunschweig” verstärkt gegen Aufkleber vor, die das Stadtbild verschandeln. Mit heißem Dampf werden die Aufkleber aufgeweicht, um sie dann besser von der Oberfläche, die sie so schlimm verschandeln, wieder ablösen zu können. In der Pressemitteilung heißt es auch, dass man gegen die Kleber präventiv vorgehen wolle – wer erwischt wird, darf gleich mit einer Strafanzeige für Sachbeschädigung rechnen. Und wie wird diese neue Kampagne der Stadt promoted? Natürlich über Plakate, die beste Verschönerung des Stadtbilds, die man sich vorstellen kann …
Natürlich will ich nicht bestreiten, dass Aufkleber in Massen eine hässliche und sogar störende Angelegenheit sein können – über Aufkleber auf Verkehrsschildern beispielsweise habe ich mich auch schon geärgert, wenn ich diese nicht mehr richtig lesen konnte. Aber sind Aufkleber nicht auch irgendwo ein Zeichen von urbaner Kultur? Wie viel mehr Charakter hat beispielsweise ein grauer Laternenpfahl, wenn er an der einen oder anderen Stelle – oder überall – ein paar Sprüche, Aussagen oder Werbungen zu kleben hat? Diese kleinen Botschaften an allen Ecken und Enden einer Stadt sprechen doch gerade davon, dass hier das Leben pulsiert, dass die Menschen sich mitteilen wollen und auf einer öffentlichen Ebene kommunizieren können. Mal ganz davon abgesehen, dass Aufkleber eine der ganz wenigen Formen von Werbung sind, die sich kleine Veranstalter, Clubs oder Vereine überhaupt leisten können.
Sind Aufkleber nun also eine Gefährdung und Verschandlung des Stadtbilds? Oder ein fester Bestandteil des öffentlichen und kulturellen Lebens? Oder vielleicht sogar beides?